Wellensittiche

Kleine australische Papageien

Auszug aus der Tierhomöopathie II/2010

Leider gelten die süßen gefiederten Gefährten mittlerweile als „Massenware“ und „Wegwerfartikel“.

Liebäugeln Sie mit dem Gedanken, sich einen Wellensittich anzuschaffen, schauen Sie doch bitte nach einem der vielen Abgabevögel und geben ihm somit ein neues Zuhause oder suchen Sie einen seriösen Züchter auf, der nicht auf Massenvermehrung setzt.

Ein Wellensittich hat eine Lebenserwartung von ca. 10-12 Jahren.






Haltung:

Viele Halter sind begeistert, von dem „Spiel“ des Wellensittichs mit dem Spiegel und/oder Plastik-Wellensittich.

Aber was steckt dahinter?

Wellensittiche leben eigentlich sehr sozial in Schwärmen und dieses Verhalten ist nichts anderes, als der frustrierende Versuch des Wellensittichs, Kontakt zu einem Partner aufzunehmen, wenn er alleine gehalten wird.

Oftmals werden diese „Partner“ gefüttert, was soweit gehen kann, dass es zu Kropfreizung oder Entzündung kommt, da der Vogel unbedingt eine Reaktion „seines Partners“ möchte und unentwegt versucht, diesen zu füttern.

Eine Einzelhaltung ist eine einzige Quälerei. Auch der Mensch ist kein ErsatzDie Käfige sind in der Regel viel zu klein. Vögel wollen fliegen und damit brauchen sie Käfige, die breiter als hoch sind!

Runde Käfige sind tierschutzwidrig eingestuft, da die Vögel sich darin nicht orientieren können.Die Gitterstäbe sollten waagrecht angeordnet sein, da sie gerne klettern.
Weiße Gitterstäbe sollen vermieden werden, da diese die Vögel blenden und irritieren. Auch bei lackierten Käfigen muss beachtet werden, dass die Farbe oft absplittert oder angenagt wird.Sinnvoll sind Sitzstangen aus natürlichen Ästen von z. B. Obstbäumen, Haselnuss oder Weiden. Gekaufte Sitzstangen sind meist ungeeignet, da die gleichmäßige Form die Füße der Vögel zu gleichmäßig belastet. Es kommt auf Dauer sonst zu schmerzhaften Ballengeschwüren.

Die Sandpapierhüllen zum Abwetzen der Krallen, die es im Handel gibt, fördern dies noch mehr.Zu beachten ist auch, dass ihnen unbedingt die Möglichkeit von Freiflug im Zimmer zu gewähren ist.

Fütterung:

Die meisten Futtermischungen aus dem Handel sind überlagert und nicht von bester Qualität. So sind Saaten oft nicht mehr keimfähig und sind somit auch weniger nährstoffreich. Futter aus offener Lagerung sollten Sie aber in jedem Fall vermeiden, da es oft verschmutzt ist.

Sie können jedoch eine einfache Probe durchführen:

Geben Sie etwas Futter auf eine befeuchtete Watte oder Küchenflies, halten das für ein paar Tage feucht und schauen, ob die Saaten keimen. Keimt es nicht, sollten sie dieses Futter nicht mehr zur Verfügung stellen.
Die optimale Zusammensetzung des Grundfutters:

-25-50% Glanz (Spitzsaat/Kanariensaat)
-div. Hirsearten: Silberhirse, Plata- u. Japanhirse…
-max. 5% Haferkerne
-max. 5% fette Saaten
-max. 5% Grassamen

Davon füttert man 2 Tl. Pro Tag und Vogel (~8-9g/Tag)

Auf Zusatzstoffe wie Vitaminzusätze, Fette/Öle, „Bäckereierzeugnisse“, Farbstoffe, Konservierungsstoffe…. soll verzichtet werden.

Wellensittiche fressen in ihrer Heimat größtenteils auf dem Boden. Stellen Sie es daher auf den Boden des Käfigs. Stellen Sie den Napf jedoch nicht unter eine Sitzstange, da er sonst mit Kot verunreinigt wird. Sie können aber auch ein kleines Brett als Kotschutz darüber anbringen.

Kolbenhirse kann auch ab und zu in kleinen Mengen angeboten werden. Jedoch bitte wohl dosiert. Hängen Sie die Kolbenhirse dann an eine schwer zugängliche Stelle, dann müssen sich die Wellensittiche ihr Lieblingsfutter erarbeiten und das sorgt für Beschäftigung.Gerne nehmen die Vögel auch halbreife oder gekeimte Saaten zu sich. Lassen Sie ruhig hin und wieder das Grundfutter ankeimen und bieten Sie es Ihrem Gefährten an. Achten Sie bitte auf Hygiene und Schimmel.

Kolbenhirse wird in Deutschland angebaut und Sie können diese im Herbst im halbreifen Zustand kaufen und tiefgefroren lagern. Portionsweise aufgetaut, können Sie die halbreife Hirse nun regelmäßig zur Verfügung stellen.

Die im Handel angebotenen Kräcker und Knabberstangen für Wellensittiche sollten Sie nicht oder nur sehr selten füttern, da sie sehr zucker- und fetthaltig sind.

Zusätzlich zum gesunden Saatenfutter sollten täglich Obst, Gemüse oder Wildkräuter angeboten werden. Bitte aber nur ungespritzt, optimal ist Bioqualität.Zusätzlich brauchen die Wellensittiche Mineralstoffe in Form von Muschelgrit, Picksteinen oder Sepiaschalen.

Die Futter und Wassergefäße müssen täglich gereinigt werden. Unbedingt ohne Chemikalien. Lassen Sie die Gefäße danach gut austrocknen. Durch das Trocknen beugt man einer möglichen Infektion durch Trichomonaden vor, weil diese beim Trocknen absterben.

Krankheiten:

Krankheitssymptome werden immer sehr spät gezeigt, da dies Wellensittiche so lange wie möglich verbergen wollen. Wenn also Symptome sichtbar werden, sollten Sie schnellstmöglich Hilfe in Anspruch nehmen.
Erste allgemeine Krankheitsanzeichen sind:

-Apathie
-aufgeplustert auf der Stange sitzen
-struppiges Gefieder
-Appetitverlust



Symptome, die auf eine bestimmte Krankheit hindeuten:

Verstärktes Wippen mit dem Schwanz

Zeigt möglicherweise Probleme mit der Atmung, was auch durch eine vergrößerte Leber verursacht werden kann, die auf die Luftsäcke drückt. 
Hervorwürgen von Futter (ohne Partnerfütterung)

Möglich sind Kropfentzündungen, Trichomonadenbefall oder aber auch Magen- Darmprobleme 
Milbenbefall, der sich in grau-weißlichen Krusten an der Nasenhaut und/oder Beinen zeigt

Gerade bei starkem Befall, sollten Sie den Einsatz von Antiparasitenmitteln in Erwägung ziehen, da Hausmittel, wie Öl, oft nur unterstützend wirken aber selten Heilerfolge erzielen. 
Tumore

Hier sind alle Arten von Tumoren möglich, die leider inzwischen vermehrt vorkommen. 
Lungenerkrankungen

Vögel, die in Raucherhaushalten leben, sterben meist frühzeitig daran 
Übergewicht

Sorgen Sie hier für ausreichen Bewegung und Beschäftigung 
Verdauungstrakt und Wurmbefall

Wellensittiche sind sehr anfällig für Erkrankungen des Verdauungstraktes. Auch ein Wurmbefall ist möglich und kann anhand des Kotes festgestellt werden, wenn dieser schon massiv vorliegt.

Grünfutter kann kurzfristig zu wässrigem oder verfärbten Kot führen, der allerdings recht schnell wieder verschwindet und nicht behandelt werden muss. 
PBFD (Psittacine Beak an Feather Disease)

Es handelt sich um eine Infektion mit einem Cirovirus. Sie ist sehr ansteckend und wenn sie ausgebrochen ist, ist sie unheilbar. Die Symptome sind Gefiedermissbildungen, auffällig verdrehte Federn und auch Federverluste. Die Missbildungen können auch Schnabel und Haut betreffen. Symptome treten erst nach Wochen bis Jahren der Ansteckung auf. 
Psittakose (Papageienkrankheit)

Es handelt sich um eine Chlamydieninfektion, auf den Menschen übertragbar und anzeigepflichtig. Symptome bei den Wellensittichen sind Augenentzündungen, Nasenausfluss und Apathie. 
Verletzungen

Oft kommen Krallen- und Zehenverletzungen vor. Die feinen Krallen bleiben leider sehr schnell irgendwo hängen. Weiter sind Schnabelverletzungen, wenn Vögel z. B. gegen eine Fensterscheibe fliegen, nicht selten.