Wunden

Die Wundversorgung:

Bitte überprüfen Sie erst den Schweregrad der Verletzung.

Eine Wundversorgung durch den Tierarzt wird nötig, wenn die Wunde so groß und tief ist, dass sie nicht mehr ohne Narkose oder speziellen Instrumenten von Fremdkörpern befreit werden kann oder chirurgisch geschlossen werden muss. Auch starker Blutverlust bedarf tierärztliches Handeln.

Ebenso bedarf es eines Tierarztes bei folgenden Auffälligkeiten:

-stark eingeschränktes Allgemeinbefinden
-Schwäche
-starkes Hecheln
-Apathie
-Angst
-Ohnmacht
-auffallende Blässe der Schleimhäute
-beschleunigter oder verlangsamter Puls
-sehr starke Schwellungen


Kleinere Verletzungen der Haut ohne Blutung:

Schrammen, Kratzer oder oberflächliche Risse bedürfen keiner Behandlung, höchstens manchmal einer kurzen Reinigung.

Wenn Ihr Gefährte allgemein gesund ist, können wir die Wundheilung getrost dem Immunsystem überlassen. Auch homöopathische Mittel sind nicht erforderlich.

Wird die Haut verletzt, sind bestimmte Immunzellen, die überall im Blut und im Lymphsystem zirkulieren (unspezifische Abwehr) sofort an Ort und Stelle. Sie versuchen alles Körperfremde zu vernichten, sei es nun ein Virus, ein Bakterium oder eine Pilzspore.

Die wichtigsten Zellen dabei sind die Phagozyten, die sogenannten Fresszellen.

Die Wunde wird sogleich gefüllt und die Gerinnungsvorgänge aktiviert. Es folgt eine lockere Verklebung der Wundfläche, es entsteht der Wundschorf.



Wunden die bluten:

Durch die Blutung werden eingedrungene Fremdkörper aus der Wunde gespült.

Aber schon kurze Zeit später werden die verletzten Blutgefässe enger und hemmen den Blutfluss. Es bildet sich ein Pfropf, der das verletzte Gefäß umschließt.

Aber dies funktioniert nur bei kleinen Blutgefäßen.

Sollte eine Wunde sehr stark bluten oder eine Schlagader verletzt sein, muss die Stelle mit festem Druck verschlossen werden und sofort der Tierarzt aufgesucht werden.



Wunden die nässen:

Dies wird leider häufig für eine mangelnde Heilung gehalten.

Jedoch nehmen die austretenden Sekrete Schmutz und Fremdkörper mit sich mit. Die Wunde wird somit immer wieder gereinigt. Dies kann manchmal eine längere Zeit dauern, ist aber auch dann als sinnvolle Reaktion zu werten.
Auf größeren Flächen kann auch immer wieder der Wundschorf aufbrechen und an dieser Stelle nässt auch wieder die Wunde, um die offene Stelle zu schützen.

Nässende Wunden sollten also nicht künstlich getrocknet werden.
Die Wunde wird aufhören zu nässen, wenn es nicht mehr notwendig ist. Bis dahin benötigen wir aber manchmal dann doch etwas Geduld.



Entzündete Wunden:

Eine Entzündung ist genau die Reaktion des Körpers, welche die Wundheilung erst ermöglicht!

Die Durchblutung des betreffenden Gebietes wird gesteigert, was zur Errötung und zur Erwärmung der Wunde führt.
Durch die verstärkte Zufuhr an Blut kommt es zu einer Schwellung der Wunde, die auf die Nervenenden drückt und so ein Schmerzempfinden auslöst. Durch die Schmerzen wird eine Schonhaltung ausgelöst, so dass der betreffende Körperteil in seiner Funktion eingeschränkt wird.

Zusammenfassend besteht die Entzündung aus fünf typischen Merkmalen:

-Rötung (Rubor)
-Erwärmung (Calor)
-Schwellung (Tumor) Achtung: Tumor ist nur ein lateinischer Begriff für Schwellung
-Schmerz (Dolor)
-Funktionsstörung (Functio laesa)

Eine Entzündung bedeutet immer, dass das Immunsystem seine Arbeit aufgenommen hat. Ohne Entzündung keine Immunabwehr und keine Wundheilung.

Auch geschlossene Verletzungen, wie z.B. Prellungen können die typischen Eigenschaften einer Entzündung aufweisen.



Eiternde Wunden:

Die Definition für „Eiter“ ist entzündliche Absonderung. Eiter ist somit nur nicht brauchbarer „Abfall“ der Immunreaktion aus der Wunde heraus.

Letztendlich besteht Eiter aus abgestorbenen weißen Blutkörperchen, die infektiöse Erreger und zerstörte Zellen in einer Wunde „gefressen“ haben.


Selbstversorgung:

Grober Schmutz kann vor der eigentlichen Reinigung mit klarem Wasser abgespült werden.

Bei langhaarigen Tieren sollte der Bereich um die Wunde herum kurzgeschnitten werden. Vollständiges Rasieren ist unnötig und reizt die umliegende Haut noch mehr.

Zur eigentlichen Reinigung eignet sich am besten physiologische Kochsalzlösung mit einem Anteil Calendula-Tinktur.

Grundsätzlich gilt: Je weniger eine Wunde vor der frischen Luft abgeschlossen wird, desto besser kann sie heilen. Zumindest sollte ein eventueller Verband immer so luftdurchlässig wie möglich sein. Bestimmte Krankheitserreger finden unter Sauerstoffabschluss erst günstige Bedingungen. Sie verbleiben tief in der Wunde, da sie durch einen Verband, der nicht luftdurchlässig ist, dicht verschlossen wird.
Meist wird auch vergessen, dass auch Salben und Cremes einen Luftabschluss bewirken.

Einige Stunden sollte es aber möglich sein, Ihren Gefährten unter Beobachtung zu halten, so dass man aufpassen kann, dass die Wunde nicht übermäßig beleckt wird, wenn sie ohne Verband gehalten werden sollte.

Wir sollten uns immer bewusst machen, dass die Evolution dafür gesorgt hat, dass eine natürliche Wundheilung kleinerer Verletzungen allein durch die Immunabwehr des Organismus möglich ist. Jedes Wildtier leckt seine Wunden.
Außerdem bewirkt eine sorgfältige Anwendung mit Calendula-Tinktur einen guten Keimschutz und regt die eigenen Abwehr- und Heilkräfte an.

Achtung:
Dies gilt natürlich nicht für chirurgisch versorgte Wunden, die genäht wurden. Eine genähte Wunde ist etwas, das in der Natur nicht vorkommt. Die Evolution hat dafür kein „Programm“ vorgesehen.
Einem Tier darf nicht erlaubt werden, an einer OP-Naht zu lecken. Genähte Wunden müssen auch weitgehend keimfrei gehalten werden. Denn die tief in das Gewebe reichenden Fäden bieten Krankheitserregern Wege an, ebenfalls tief ins Gewebe zu gelangen um dort zu schwerwiegenden Infektionen zu führen

Auch sehr tiefe und kleine Wunden wie Biß- oder Stichverletzungen bedürfen einer besonderen Wundbehandlung.